Lilly Lindner - Was fehlt, wenn ich verschwunden bin

Dieses Buch hat mich nicht nur wegen den vielen positiven Bewertungen interessiert. Auch das Thema Magersucht und Geschwisterliebe geht mir sehr nahe, da meine Zwillingsschwester in ihrer Jugend selbst an Magersucht erkrankt ist und in einer Klinik war. Ich konnte deshalb viele Situationen gut nachempfinden und mir ging das Buch sehr nahe - auch wenn mich viele Punkte gestört haben...
Lilly Lindner - Was fehlt,
wenn ich verschwunden bin

Die Story:
Dieses Buch besteht nur aus Briefen zwischen zwei jungen und ungleichen Schwestern. April war schon sehr früh depressiv und ist an Magersucht erkrankt. Das Buch beginnt als sie in eine Klinik gebracht wird, da die Krankheit immer schlimmer wurde. Ihre neunjährige Schwester Phoebe schreibt ihr über mehrere Monate Briefe mit Geschichten aus ihrem Alltag. Ab der Hälfte des Buches liest man die Antworten von April. Wird April die Krankheit besiegen können?

Meine Meinung:
Die Briefe von Phoebe an April nehmen über die Hälfte des Buches ein. Auch wenn mir viele Wortspiele und der Still eigentlich gefallen haben - ich nehme es Lilly Lindner einfach nicht ab, dass das alles von einer neunjährigen (!) geschrieben sein soll. Es wird zwar immer wieder darauf angespielt wie begabt sie sein soll, aber noch nicht einmal ich würde mit meinem fast 30 Jahren solch poetischen Briefe schreiben. In einem Brief geht es beispielsweise darum. dass April bei jedem Atemzug ein Komma setzt. Wenn Frau Lindner konsequent wäre, würde sie das auch in den Briefen übernehmen. Mir war das deshalb leider zu unglaubwürdig.
Die Briefe von April an Phoebe haben das Buch dann meiner Meinung nach gerettet, denn hier erfährt man viele Hintergrundinformationen. Auch erst zum Ende hin ging mir das Buch nahe - trotz genannter Parallelen zu meinem Leben. Ein Beispiel: Die Beschreibung mit dem Dinosaurier (Anspielung auf die Wirbelsäule von April) kann ich genauso unterschreiben. Ich hatte meine Schwester damals auch damit verglichen.
Am Schluss haben mir auch die Gedankengänge den Eltern gefehlt, denn gerade im letzten Teil war mir das einseitig. Die Schwarz-Weiß-Malerei kann aus Sicht eines pubertären Mädchens Sinn machen. Aber gerade dann wären die Gedanken der Eltern interessant.

Fazit:
Ein Buch mit guten Ansätzen und einem schönen Schreibstil. Leider waren mir viele Punkte zu unglaubwürdig oder einseitig. Mir ging das Buch trotzdem nahe, aber vielleicht liegt das daran, dass ich in einer ähnlichen Situation war. Ich kann leider nur 3 Sterne vergeben.

Hier kann das Buch bei Amazon gekauft werden: Was fehlt, wenn ich verschwunden bin

Lilly Lindner - Was fehlt, wenn ich verschwunden bin Lilly Lindner - Was fehlt, wenn ich verschwunden bin Reviewed by Christian on 14.4.15 Rating: 5

Kommentare:

Henny hat gesagt…

DANKE! Du sprichst mir einfach aus dem Herzen. Ich hab das Buch in einer Leserunde gelesen und alle haben nur auf den Eltern rumgehackt. Dass das Bild das man präsentiert bekommt von einem pubertierenden Mädchen stammt wurde völlig ausser Acht gelassen.
Das mit deiner Schwester tut mir leid. Es ist bestimmt schwer jemanden der unter so einer Krankheit leidet in der Familie zu haben.. Ich hoffe ihr geht es heute gut und hat die Zeit gut überstanden.
Alles Liebe
Henny~

Christian hat gesagt…

Hi Henny,

danke für den lieben Kommentar. Wir haben die Krankheit damals gut überstanden!

Super, dass du meiner Rezension zustimmst. Bei den ganzen Lobeshymnen traut man sich ja fast gar nicht, etwas kritisches zu schreiben ;-)

Janine Brandstetter hat gesagt…

Hallo Christian! :)

Ich habe das Buch auch gelesen und auf meinem Blog rezensiert. Ich hoffe, es macht dir nichts aus, dass ich deine Rezension hier in meiner unter der Überschrift “Weitere Blogger-Rezensionen zum Buch” verlinkt habe. Falls doch, melde dich einfach kurz bei mir, dann lösche ich dich wieder raus, ja? ;)
http://janine2610.blogspot.co.at/2015/06/rezension-was-fehlt-wenn-ich.html

Alles Liebe ♥,
Janine

Otze Worman hat gesagt…

typisch deutsch! wenn jemand gut ist, dann wird ersma die kelle "da stimmt was ne" ausgepackt. die neid-gesellschaft. einfach schade. ich habe als lehrer in einer mittelstufe viele in dem alter erlebt, ja, die meisten haben das potential nicht, aber es is definitiv ne unrealistisch, ganz im gegenteil - mit talent & leidenschaft is das absolut glaubwürig. große denker und schriftsteller haben in dem alter auch schon große werke abgefasst! david hume etc. manchmal kann es glücklich machen, etwas gutes einfach so hinzunehmen ;-)
phoebe <3 lg!

Christian hat gesagt…

Hi Phoebe. Danke für den Kommentar. Geschmäcker sind nun mal verschieden. Mit Neid hat das aber sicherlich nichts zu tun - war ja auch nicht der einzige Kritikpunkt ;-)

Viele Grüße, Christian

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