Erika Rau: Face Reading für Eltern

Zur Geburt unseres Sohnes haben wir uns unzählige Bücher angeschafft oder geschenkt bekommen. Erika Raus "Face Reading für Eltern" fand ich persönlich sehr spannend, da man vor allem kurz nach der Geburt oft am Rätseln ist, was der kleine Wurm eigentlich von einem möchte. Und das Gesichterlesen endet ja nicht, wenn das Kind sich verbal äußern kann. Ich hatte mir erhofft, dass nach der Lektüre auch meinen Freunden, Kollegen oder der Familie aus dem Gesicht lesen kann. Hat sich die Anschaffung dieses Buches gelohnt? Eher nicht...
Erika Rau - Face Reading für Eltern

Inhalt:
Das Buch besteht aus einer recht knappen Einleitung in die Materie und konzentriert sich dann auf die Beispiele anhand jeweils fünf Kindern, die entweder dem "Ruhenaturell", dem "Bewegungsnaturell" oder dem "Empfindungsnaturell" entsprechen. Zusätzlich zu den drei Naturellen fließen immer wieder "Kraftrichtungen" in die Betrachtungen ein (Helioda, Od, Medioma, Magnetismus sowie Elektrizität). Gleichzeitig wird die Frage geklärt, ob die Kinder eher "motorisch-dynamisch", "ruhig-gemütlich" oder "nervlich-empfindsam" sind. Nach den Beispiel-Kindern folgt eine kurze Zusammenfassung.

Meine Meinung:
Ich hatte bisher keinerlei Berührung mit der Psycho-Physiognomik und wusste nicht, dass es so etwas wie die Kraftrichtungsordnung überhaupt gibt. Während meine Frau das Buch nach nur wenigen Seiten als "esoterischen Quatsch" abgestempelt hat, wollte ich ihm dennoch eine Chance geben und habe es durchgelesen. Ich hatte die Hoffnung, dass ich das eine oder andere sicherlich lernen und ggf. anwenden kann, wenn man mal wieder die wahren Beweggründe seines Gegenübers ergründen oder dessen Verhalten nachvollziehen möchte. 
Leider muss ich gestehen, dass ich auch nach dem Lesen nicht wirklich schlauer geworden bin und dem Buch eher skeptisch gegenüber stehe. Die Beschreibungen der Kinder sind sehr allgemein gehalten und aus sehr kleinen Details liest die Autorin die interessantesten Aspekte heraus. Beispielsweise der schmale Mund von bei Giulian (5 Jahre): Er nimmt sich also eher zurück und macht die Dinge lieber, statt darüber zu reden. Die Autorin denkt, dass der kleine Giulian durchaus eine Anlage zum Kunsthandwerker hat. Wie kommt sie denn auf so etwas?
Neben diesen weit hergeholten Schlussfolgerungen gibt es immer wieder sich widersprechende Betrachtungen der Kinder: Amelie (20 Monate) findet zunächst wenig Ruhe (Schläfenbereich), dann ist sie eher schnell erschöpft und braucht viel Ruhe (zarter Nacken), aber ihre kräftigen Beinchen deuten dann doch wieder auf den Bewegungsdrang hin.
Statt nur aus dem Gesicht zu lesen, sagt auch die Frisur allerhand über die Kinder aus. Maximilian (5 Jahre) hat hochgestylte Haare, was seine dynamische und wilde Seite zeigen soll. Ich glaube nicht, dass man aus dem Haarschnitt viel ablesen kann, da die Kinder vor dem Shooting sicherlich in der "Maske" waren und gestylt wurden - das sieht man bei den Bildern von Maximilan übrigens sehr gut, da er die Haare auf den Fotos unterschiedlich gestylt hat. 
Ich störe mich auch daran, dass man auf die kleinsten Details der geschossenen Fotos eingeht. Ich weiß, dass man das im Buch wahrscheinlich nicht anders lösen kann, aber wenn man fünf Fotos von mir macht, schaue ich wahrscheinlich auch fünfmal anders in die Kamera. Und aus der veränderten Mimik könnte man ggf. fünf widersprüchliche Beobachtungen zu meinem Wesen anstellen. Eine Betrachtung der Kinder unter Bewegung würde dem Ganzen mehr Glaubwürdigkeit verleihen - ich empfehle also vielleicht lieber eine Reportage zu schauen, statt dieses Buch zu lesen.

Fazit:
Das Buch ist für mich leider nur ist es eine pseudowissenschaftliche Betrachtung von Kleinst-Details, in die einfach zu viel hineininterpretiert wird. Ganz nett zu lesen, aber nicht wirklich hilfreich. Ich vergebe gut gemeinte 2 Sterne.

Weitere Infos: Kösel-Verlag
Erika Rau: Face Reading für Eltern Erika Rau: Face Reading für Eltern Reviewed by Christian on 21.2.18 Rating: 5

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